Nathan Milgrom ist 87 geworden
Masel Tov Herr Nathan Milgrom
Nathan Milgrom ist am 30.12.2007 87 Jahre geworden. Wir gratulieren Ihm und seiner bezaubernden jungen Frau Helga Milgrom.
Wir zitieren hier einen Bericht von Judith Kessler den Sie 2005 anläßlich des 85. Geburtstags von Herr Milgrom auf der Homepage der Jüdischen Gemeinde zu Berlin: www.jg-berlin.org veröffentlicht hat.
Zitat Anfang:
Seit 1945 ehrenamtlich…
Nathan Milgrom feierte am 30. Dezember seinen 85. Geburtstag
Er ist einer der wenigen "waschechten" Berliner. Nathan Milgrom, Jahrgang 1920, ist in der Rückerstraße 2 aufgewachsen, in Mitte. Das Haus steht noch, von seinen Bewohnern - Nathans Eltern, den beiden Schwestern - ist nichts geblieben. "Verschollen" heißt es amtsdeutsch, auf dem Weg nach Auschwitz. Nathan hat Glück gehabt, wenn man das Glück nennen kann: Hat erst noch in der Baufirma seines Onkels gearbeitet und ist 1942 "geschnappt" worden, auf der Straße. Erst kam er ins Getto Litzmannstadt (Lodz), dann nach Majdanek. 1944 ist er von der Roten Armee befreit worden. Sein erster "Russe" war ein Jude, der ihn mit "Schalom, schalom" begrüßte.
Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus schloss er sich noch 1944 in Krakow den jüdischen Brigaden an, und trat der Hagana bei. Die schickte ihn nach Berlin, wo im Sommer 1945 mehrere DP-Camps für Überlebende aus den Konzentrationslagern, unter anderem am Eichborndamm, eingerichtet wurden. Hier leitete der junge Milgrom die "Alijah Bet", das Auswanderungsprogramm nach Palästina beziehungsweise zunächst nach Zypern, für all jene, die von den Briten nicht ins Land gelassen wurden.
1948 mit der Staatsgründung ging Nathan Milgrom dann selbst nach Israel und arbeitete bei „Zolel Bone“, bevor er sich selbständig machte. Zehn Jahre später zwang ihn das Herzleiden, das er sich im Lager geholt hatte, zur Rückkehr nach Deutschland. Hier tat seinem Herz jedoch nicht nur das Klima gut, sondern auch der Umstand, dass er seine Frau Helga kennen lernte. "Liebe auf den ersten Blick", sei es gewesen, sagt er. "Ich kam, sah und siegte… - sie aber auch!".
In Berlin hat Milgrom dann Hotels betrieben und eine Zeit lang auch ein kleines Taxi-
Unternehmen.
Den Kontakt zur Jüdischen Gemeinde hatte er von Anfang an. Er war mit der erste, der 1946 für den Auf- statt Abbau der Jüdischen Gemeinde plädierte. Als in einer Runde mit Julius Meyer und Heinz Galinski, die Frage diskutierte wurde "Was machen wir jetzt?" hatte Milgrom geantwortet, Hitler dürfe nicht Recht behalten mit "Mein Kampf" und dem "judenreinen" Europa.
Er hat getan, was er konnte, um das jüdische Leben wieder aufzubauen, immer ehrenamtlich und unentgeltlich, wie Milgrom angesichts heutiger Ämterdebatten betont. Er war Vorsitzender des Keren Kayemeth LeIsrael Berlin, Vizepräsident des KKL Deutschland und der Leo-Baeck-Loge und zehn Jahr lang Gabbai am Fraenkelufer. Er ist – mal mit Günter Ruschin, mal mit Rabbiner Munck - über viele Jahre immer wieder nach Ostberlin gefahren, um der dortigen Gemeinde zu helfen, war sogar bei Erich Honecker und hat mit dafür gesorgt, dass die DDR-Stadtplaner dann doch keine Straße durch den Friedhof Weißensee bauten.
Er wünscht sich nur eins zum Geburtstag, sagt der Gemeindeälteste: Gesundheit! Lieber Nathan, das wünschen auch wir dir, und dass deine gute Laune und dein Optimismus auch auf andere weiter so ansteckend wirken.
Judith Kessler
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